Was es zu sein scheint
Ein zusätzliches Sanitärobjekt.
Was es wirklich ist
Für viele Ausländer ist es ein Rätsel. Für Italiener ist sein Fehlen unbegreiflich.
Wenn ein Italiener im Ausland das Badezimmer eines Hotels betritt, kommt ihm eine Frage ganz automatisch:
„Ma il bidet dov’è?“
Es geht nicht um Luxus. Es geht um Normalität.
Das Bidet gehört zu jener Kategorie von Dingen, die Italiener gerade deshalb nicht mehr wahrnehmen, weil sie sie für selbstverständlich und unverzichtbar halten. Seine Bedeutung bemerkt man erst, wenn es fehlt.
Dahinter steckt ein tiefer kultureller Unterschied: In Italien ist Körperpflege nicht nur eine Praxis, sondern Teil des täglichen Wohlbefindens. Deshalb wird das Bidet nicht als Zusatz wahrgenommen. Es gehört zum Bad wie Waschbecken oder Toilette.
Jemandem, der nicht mit einem Bidet aufgewachsen ist, das zu erklären, ist erstaunlich schwierig. Denn wenn etwas dein ganzes Leben lang selbstverständlich war, hörst du irgendwann sogar auf, dir vorzustellen, dass es anders sein könnte.
Szene
— Com’è l’appartamento?
— Bello.
— Il quartiere?
— Ottimo.
— E allora?
— Non c’è il bidet.
Stille.
— Ah.
Jetzt ist alles klarer.
Der Schlüssel zum Verständnis
Für Italiener ist das Bidet kein Komfort. Es ist Standard.
