Wonach es aussieht
Ein Karton. Meist viel zu groß für die „zwei Sachen“, die die Familie angeblich schicken wollte.
Was es ist
Die wahre Brücke über die Straße von Messina. Sie startet in einer süditalienischen Küche und kommt im Norden an, voll mit Wurst, Eingemachtem, Käse, Olivenöl und mindestens einem Glas, um das niemand gebeten hat.
Die Szene
Mailand, Turin, Bologna, Verona. Gegensprechanlage: „Paketdienst.“ Der aus dem Süden Zugezogene geht hinunter und findet achtzehn Kilo Karton. Die Mutter hatte gesagt: „Ich schicke dir zwei Sachen.“ Drinnen: Vorräte für eine Seeblockade. Dann der Anruf aus dem Süden: „Ist es angekommen?“ Man kann studiert haben, umgezogen sein, heiraten und Kinder bekommen. Einen Paprika selbst zu besorgen traut einem die Familie offenbar trotzdem nicht zu.
Italien reist in beide Richtungen
Über Generationen zogen Menschen aus dem Mezzogiorno in die Industriestädte und später zu Universitäten und Arbeitsplätzen Mittel- und Norditaliens. Das Paket reist zurück: eine kleine Gegenmigration aus Olivenöl, Eingemachtem und familiärem Schuldgefühl.
Lesart
Il pacco da giù ist Zuneigung, Haushaltsökonomie und italienische Geografie in Pappe gepresst. Der Norden bietet Arbeit und Karriere; die Familie im Süden bleibt skeptisch, ob man dort oben wirklich Tomaten kaufen kann. Die Südfrage ist nicht gelöst. Aber sie hat jetzt eine Sendungsverfolgung.
