Wonach es klingt
Im Fußball: der Spieler, der Tore schießt.
Er lebt im Strafraum, riecht die Chance und weiß schon, wohin der Ball muss.
Einfach. Fast ein Fachbegriff.
Was es ist
In Italien ist es deutlich mehr.
Ein bomber ist Stürmer, aber auch ein Ehrentitel für einen Mann, der das Leben wie einen Konter spielt: wenig Zögern, viel Selbstvertrauen und der Glaube, dass irgendwann eine Lücke aufgeht.
Tore zählen. Seltsamerweise auch der romantische Lebenslauf.
Die Szene
Samstagabend. Langer Tisch.
Einer erzählt von zwei Toren beim Firmenturnier.
— Bomber!
Ein anderer kommt zwanzig Minuten zu spät; zwei Frauen winken ihm vom anderen Ende der Bar.
— Da ist er. Der Bomber.
Niemand weiß mehr genau, über welche Sportart wir reden.
Bomber ist keine Position
Er kann Mittelstürmer, Außenverteidiger, Buchhalter oder seit 2008 fußballfrei sein.
Bomber beschreibt eher die Haltung als die Position.
Reinkommen. Schauen. Zielen. Schießen.
Manchmal sogar auf einen Ball.
Das Bobo-Modell
Braucht dieser italienische Archetyp ein Gesicht, kommt man an Bobo Vieri kaum vorbei: Mittelstürmer, Wucht, Tore und eine öffentliche Persona, die beide Hälften des Mythos verbunden hat.
Der Bomber trifft nicht mehr nur auf dem Platz.
In der Vorstellung trifft er auch daneben.
Casanova mit Schienbeinschonern.
Abseits des Platzes
Hier wird das Wort herrlich elastisch.
— Marco gesehen? Drittes Date diese Woche.
— Bomber.
Wie es ausging, ist egal. Der Titel wird vor dem VAR vergeben.
Vorsicht mit dem Titel
Bomber kann echte Bewunderung, Spott oder beides zugleich sein.
Nach einem Hattrick: Kompliment.
Beim Freund mit offenem Hemd am Grill: Diagnose.
Für sich selbst benutzt: fast immer strafverschärfend.
Leseschlüssel
Der italienische bomber ist nicht einfach jemand, der Tore macht.
Er lebt, als wäre die Anzeigetafel immer an.
Platz, Aperitivo, Urlaub, Chat: irgendwo steht ein Tor.
Und in seinem Kopf ist er längst im Strafraum.
